Interview: Björn Kleinhenz über künstlerischen Erfolg

Björn Kleinhenz ist einer der Musiker, die mich schon seit dem Studium begleiten. Damals, es muss 2006 gewesen sein, habe ich ihn in der Hasenschaukel in St. Pauli auf der Hamburger Reeperbahn zum ersten Mal live gesehen. Damals platzte der kleine Laden aus allen Nähten. Alle wollten der Musik des schwedischen Sängers lauschen. Viele der frühen Songs hatte er zunächst online veröffentlicht, so dass man sich schon ein wenig mit der Musik vertraut machen konnte. Damals wie heute ist die irgendwie melancholisch anmutende Stimme von Kleinhenz‘ das, was einen gleich in seinen Bann zieht. Mich zumindest. Dabei ist der Gesang so klar und kraftvoll, dass es vollkommen ausreicht, das sich die sonstige Instrumentierung der Songs (fast) ausschließlich auf die Gitarre beschränkt. Mehr braucht es  einfach nicht.

Wir haben Björn Kleinhenz während seiner aktuellen Tour in Bremen im DETE, dem Kultureinrichtungshaus in der Bremer Neustadt, live erleben können. Mit einer ganzen Reihe neuer Songs im Gepäck, die sicherlich auf dem kommenden Album zu finden sein werden, spielte der schwedische Independent-Künstler eine tolle Show im sehr intimen Rahmen. Was mich persönlich sehr gefreut hat, ist, dass er als Zugabe auch einen seiner ganz frühen Songs, „Strongest Machine“ (erschienen auf dem Album „Trans Pony“ (hier bestellen) aus dem Jahr 2005) als Zugabe gespielt hat. Dazu noch eine ganz eigene Version des Songs „Where Did You Sleep Last Night“, den man unter anderem von der „Nirvana MTV Unplugged“-Album kennen dürfte.

Einen Tag nach dem Konzert hat sich Björn Kleinhenz die Zeit genommen, um uns in einem kurzen Interview Rede und Antwort zu stehen. Dabei gab er einen kleinen Ausblick auf die kommenden Projekte.

„Musik ist für mich wie ein Tagebuch“

Zeitgeist247.de: Du machst nun schon seit vielen Jahren Musik. Seitdem hast du mehr als 15 Alben oder EPs veröffentlicht. Was ist dir persönlich wichtiger: kommerzieller Erfolg oder die Tatsache, sich als Künstler immer weiter zu entwickeln?

Björn Kleinhenz: Musik machen ist für mich fast wie ein Tagebuch. Und ich glaube deswegen habe ich so viel herausgebracht. Kein einziges Album ist perfekt, und das ist halt ein Teil des Reizes für mich. Als ein sehr unruhiger und improvisatorischen Mensch, wird es halt so. Es muss raus, damit ich was Neues anfangen kann. Kommerziellen Erfolg werde ich, glaube ich zumindest, nie kriegen, aber das ist für mich in Ordnung. Ich darf immer noch jedes Jahr auf Tour gehen und meine Lieder für die Leute spielen. Das ist für mich an jedem Abend, wenn ich einen Auftritt habe, immer wieder ein Riesenerfolg.

ZG: Nun bist du zurzeit wieder Mal auf Tour. Als Künstler gehört das zum Teil des Jobs. Du bist aber nicht nur Musiker. Was machst du sonst in deiner Heimat Schweden?

BK: Normalerweise arbeite ich in einem kleinen Ort nördlich von Göteborg (Gemeinde Tanum in der schwedischen Provinz Västra Götalands län; Anm. d. Red.) und mache das Kulturprogramm für die Einwohner. Dazu gehören Dinge wie das Kindertheater zu organisieren und Tee mit alten Damen trinken und ihnen Kurzgeschichten vorlesen. Ich weiß, das hört sich jetzt fast etwas zu gut an. Aber ich sitze auch stundenlang vor dem Computer und mache langweiligen Beamtenkram.

ZG: Wie schon mehrfach angedeutet, arbeitest du an einem neuen Album. Wann wird es erscheinen und gehst du dann noch mal auf größere Tour?

BK: Ich nehme im Sommer die neue Platte auf. Und diesmal wieder mit Band. Wir nehmen es bei einem Freund in seiner Scheune auf und danach schreibt ein anderer Freund von mir die string arrangements für die ganze Platte. Ich hoffe, das wird ein sehr luftiges und erdiges Album. Und natürlich gehe ich auf Tour, hoffentlich auch mit einer Band.

„Man stirbt fast, wenn man nur von der Musik leben will“

ZG: Ist es für dich wichtig, künstlerisch unabhängig zu sein oder wäre es (mit Abstrichen) nicht auch schön, nur von der Musik allein zu leben?

BK: Gerade jetzt finde ich es ideal. Ich habe einen schönen Job, kann zwei Monate im Sommer Urlaub nehmen – um die neue Platte zu machen – und kann immer noch auf Tour gehen. Zuvor bin ich zeitweise schrecklich lange nur auf Tour gewesen. Sieben Wochen alleine im Auto, habe jeden Tag ein Konzert gespielt und habe nur davon gelebt. Aber man stirbt fast, wenn man versucht, nur von der Musik leben zu wollen.

ZG: Ist es für dich etwas besonderes, wenn du in Deutschland spielst? Gibt es auch heute noch eine bestimmte Verbindung zum Land, zu den Menschen?

BK: Ich mag ja Deutschland sehr gerne. Und mein Projekt, ordentlich Deutsch zu lernen, ist ja immer noch am Laufen. Ich habe so viele gute Freunde in Deutschland, die ich durch meine Musik kennengelernt habe. Mein Leben würde sehr arm sein, ohne die regelmässigen Reisen nach Deutschland.

ZG: Mit wem würdest du gerne einmal zusammen etwas machen? Gibt es musikalische Vorbilder?

BK: Gerade jetzt freue ich mich sehr auf die Plattenaufnahmen, wofür ich ein Band zusammengeschmissen habe. Es sind alte Freunde, neue Bekanntschaften und mein Bruder. Ich freue mich überhaupt wieder mit anderen zusammenzuspielen. Aber wenn ich wirklich träumen darf, würde ich ein Duett mit Gillian Welch ( US-amerikanische Songwriterin des Genres Alternative Country; Anm. d. Red.) aufnehmen wollen.

ZG: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Aufnahmen zum kommenden Album.

Björn Kleinhenz solo auf Tour 2014: Termine

Im März ist Björn Kleinhenz in den Niederlanden und in Deutschland in ausgewählten Städten und an besonderen Orten solo auf Tour. Das sind die Termine:

14.03.2014 Leeuwarden (NL)
15.03.2014 Groningen, Groningen Museum (NL)
16.03.2014 Bremen, DETE (DE)
17.03.2014 Düsseldorf, Brause (DE)
18.03.2014 Giessen, Alte Kupferschmiede (DE)
19.03.2014 Solingen, Cow Club (DE)
20.03.2014 Aachen, Raststätte
21.03.2014 Bielefeld, Bunker Ulmenwall (DE)
22.03.2014 Köln, Melodica Festival (DE)
28.03.2014 Amsterdam, Van Gogh Museum (NL)

Für das Kultur-Magazin WhiteTapes hat Björn Kleinhenz zudem exklusiv einen neuen Song „Daunty Dirges“ zur Verfügung gestellt, in den ihr hier in voller Länge reinhören könnt.

Zudem gibt es noch zwei aktuelle Videos vom schwedischen Singer-Songwriter.

„Lonely Hunter“: Video by Jonas Börjesson (2013)

„Farö“: Video by Jonas Börjesson (2013)

Das aktuelle Album „The Fall Of Discontent“ (hier bestellen) ist bei JellyFant Records erhältlich.

Offizielle Webseite: kleinhenz.se

Foto: Simon Rydén

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