Interview: MAS über die „50 Wege EP“ und neue Projekte

2013 wagte der Rapper MAS mit der Veröffentlichung der „50 Wege EP“ den Schritt aus der künstlerischen Anonymität heraus, und stellte seine Songs kurzerhand als kostenlosen Download ins Netz. Doch bis dahin war es ein langer Weg, denn mit dem Schreiben hatte Miles Scheller, wie MAS mit bürgerlichem Namen heißt, schon viel früher begonnen. Zunächst wollten seine zum Teil sehr poetischen Texten da noch nicht so richtig in den klassischen Rap-Kontext passen. Doch Rapper wie Casper oder Marteria haben längst unter Beweis gestellt, das es auch anders geht. Den Songs von MAS merkt man dabei förmlich an, das sie aus Liebe zur Musik und mit jeder Menge Herzblut entstanden sind.

Im Interview haben wir mit dem Karlsruher über den Weg zur ersten eigenen Veröffentlichung, den Erfolg auf der Bühne mit eigener Band und den kommenden Festival-Sommer gesprochen.

MAS im Interview: „So ist das als armer Student“

Zeitgeist247.de: Hallo MAS, zunächst möchte ich mich bedanken, dass Du Dir die Zeit für ein Interview genommen hast.

MAS: Hi, ich habe zu danken!

ZG: Ich bin letztes Jahr im Netz durch auf deine „50 Wege EP“ gestoßen und war sofort begeistert. Wie kam es dazu, dass Du Dich dazu entschlossen hast,  die Songs in dieser Form zu veröffentlichen? Als kostenlosen Download?

MAS: Ach ja, was heißt entschlossen. So ist das nun mal als armer Student (studiert in Stuttgart Audiovisuelle Medien, Anm. d. Red.). Für mich war das das Einzige das Sinn gemacht hat in dem Stadium in dem ich mich befinde. Es hätte sich in meinen Augen einfach noch nicht gelohnt, jetzt eine Platte pressen zu lassen, ohne zu wissen, ob die dann auch jemand kauft. Klar muss man, um voran zu kommen, immer wieder investieren, mit dem Risiko, das nicht mehr reinzubekommen. Aber man muss halt auch schauen, in welchen Situationen so was sinnvoll ist und wann nicht.

„Mit Band hat man mehr Möglichkeiten“

Zeitgeist247.de: Auf Deinem Blog ist ja zu lesen, dass Du gerne eine richtige CD aufnehmen und auf der Bühne Erfolg haben möchtest. Wie sieht es aktuell damit aus?

MAS: Zurzeit kann ich mich eigentlich echt nicht beklagen. Wir hatten im November letzten Jahres unsere Live-Premiere und haben seitdem eigentlich immer wieder Auftritte. Natürlich spielen wir jetzt nicht jede Woche zwei Gigs. Es war aber bist jetzt nie so, dass der nächste nicht schon vor der Tür stand. Es läuft auf jeden Fall besser als noch vor ein paar Jahren, als ich noch ohne Band unterwegs war – und wenn es hoch kommt zwei Auftritte im Jahr hatte. Mit Band hat man einfach mehr Möglichkeiten. Im Moment sind wir zwar eher in Karlsruhe und Stuttgart unterwegs, hoffen aber, dass wir bald mal in andere Städte kommen.

ZG: Über das Karlsruher Künstler-Portal Kavantgar.de wirst du ja auch regelmäßig gefeatured, auf Facebook und Instagram bist Du zudem auch sehr aktiv. Wie wichtig sind diese Kanäle, um Deinem Traum – als Musiker Erfolg zu haben – näher zu kommen?

MAS: Ich bin ja schon so ein kleiner Internetsuchti – muss ich ehrlich zugeben. Ich hab also kein Problem dort ständig aktiv zu sein. Es ist halt auch extrem wichtig, weil man so schnellstmöglich viele Menschen aus verschiedenen Städten erreichen kann.

„Es gibt wenige Rapper, die ich gut finde“

Zeitgeist247.de: Welche/r Künstler/in zählt zu Deinen musikalischen Vorbildern? Und mit wem würdest Du gerne mal zusammenarbeiten (national/international)?

MAS: Vorbild ist immer so ein krasses Wort. Natürlich liegt auf der Hand, dass ich Casper ganz gut finde. Wenn ich jemand nennen müsste, wäre das wohl er. Ich habe früher ziemlich poetische Texte geschrieben, die ich mich aber nie getraut habe zu veröffentlichen, da ich dachte, das wäre zu krass für Rap-Texte und nicht cool genug. Cas (Casper, Anm d. Red.) hat mich dann vom Gegenteil überzeugt. Auch dass er dann mit Band ankam. Das war halt genau das, was ich schon immer wollte. Mit eigener Band auf der Bühne zu stehen – was jetzt ja endlich der Fall ist. Und sonst – so blöd sich das jetzt anhört und so sehr ich es auch hasse, wenn Rapper das sagen – gibt es recht wenige Rapper von denen ich richtig Fan bin. Ich höre ziemlich viel unterschiedliche Musik und bin im Moment eher auf Daughter oder London Grammar hängen geblieben. Einen Song mit Hannah Reid (Sängerin der Band London Grammar, Anm. d. Red.) zu machen, wäre schon traumhaft.

ZG: Wie geht es für Dich jetzt als Musiker weiter? Ich habe gesehen, dass Du jüngst im Studio anzutreffen warst. Darf man sich in diesem Jahr noch auf etwas Neues von Dir freuen?

MAS: Die ’50 Wege EP‘ bestand ja zum größten Teil aus gesampelten Beats (u.a. Coldplay, Anm. d. Red.). So was geht vergleichsweise schnell. Der Nachteil daran ist, du klingst halt nach dem was du gesampelt hast und dir fehlt dadurch dein eigener Sound. Diesen eigenen Sound versuchen wir gerade zu finden und umzusetzen und so was kostet sehr viel Zeit, wenn es gut werden soll. Ich kann also nicht versprechen, dass das dieses Jahr noch passieren wird oder erst nächstes Jahr. Was ich sagen kann ist, dass wir fleißig daran arbeiten und wir uns aber auch Zeit lassen wollen, damit etwas Schönes dabei rauskommt. Abgesehen davon versuchen wir natürlich so viel Live-Gigs zu spielen, wie wir können.

„Wir haben uns für ein paar Festivals im Sommer beworben“

ZG: Ab Mai/Juni beginnt die neue Festival-Saison. Wie sind Deine Pläne, wirst Du selber auf einem der Festivals zu sehen sein? Und wo trifft man Dich als Fan vor der Bühne?

MAS: Ich muss ja ehrlich zugeben dass ich noch Festival-Jungfrau bin. Man kann mich aber dieses Jahr auf dem Southside sehen – als Fan. Und was Auftritte betrifft – wir haben uns auf jeden Fall für das ein oder andere Festival beworben, ob das klappt, bleibt abzuwarten.

ZG: Zum Ende muss ich Dir und Deiner Crew wirklich ein Kompliment machen. Nicht nur, dass da mit großem Einsatz ein paar tolle Tracks in Form einer EP kostenfrei für jedermann verfügbar sind. Auch die Videos zu den Songs wirken durchdacht und sehr professionell. Kannst Du auf bestimmte Leute zurückgreifen, die Dich besonders unterstützen?

MAS: Vielen Dank! Ja, da habe ich einfach sehr, sehr viel Glück gehabt. Die meisten Leute, die was für mich gemacht haben in der Richtung, sei es jetzt Videos, die Homepage oder so, sind Freunde. Vieles wird dadurch natürlich günstiger, wenn nicht sogar ohne Kosten für mich. Ich bin ziemlich dankbar, was das betrifft und sehe das nicht als selbstverständlich an. Gerade jetzt arbeiten wir wieder an einem kleinen ‚Riesenprojekt‘, an dem soviel Leute mitmachen und wirklich leidenschaftlich dabei sind. So leidenschaftlich, dass sie nicht nur nichts dafür verlangen, sondern sogar noch selbst investieren. Sei es jetzt Zeit oder Geld. Das find ich schon richtig krass und ich kann gar nicht wirklich damit umgehen. Bin auf jeden Fall sehr dankbar!

ZG: MAS, ich bedanke mich für das Interview.

Foto: Jan Weidenbacher

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