Interview: Stieftocher über deutschen Urban Pop

Ich treffe die Musikerin Stieftochter im Hamburger Schanzenviertel, aber nicht in einer der hippen Bars oder Restaurants, die zur Mittagszeit meist mehr als gut besetzt sind, sondern in einem gediegen und etwas altbackenen Café. Ein guter Ort, um einmal in Ruhe über die Rolle der weiblichen Künstler in Deutschland zu sprechen. Und über deutschen Urban Pop natürlich, denn das ist die Stilrichtung, für die Stieftochter vornehmlich steht.

Im Interview spricht die Sängerin über ihre ersten musikalischen Gehversuche, ihre ganz spezielle Bühnenshow mit Live-Band und das Potential von Sängerinnen in Deutschland.

„Urban Pop ist zu klug, um bloß Gute-Laune-Musik zu sein“

Zeitgeist247.de: Hallo Stieftochter, wenn man dich jetzt so mit dem Make-up auf der Straße sehen würde, könnte man denken, du bist auf dem Weg zu einem Auftritt?

Stieftochter: Ja, das kommt häufiger vor, das Leute mich auf meinen Look ansprechen. Tatsächlich mache ich das aber immer von meiner Tagesform- und -laune abhängig. Spontan eben.

ZG: Okay, verstehe. Ist es denn so, dass du als Stieftochter immer nur auf der Bühne agierst, also bei einem Auftritt?

ST: Nein, das gehört irgendwie auch zu mir uns lässt sich nicht komplett voneinander trennen. Stieftochter ist für mich vielmehr auch ein Ventil, um ordentlich Dampf abzulassen, aber ohne dabei andere zu verletzen.

ZG: Die selbst sagt über deine Musik, dass es sich um (deutschen) Urban Pop handelt. Was muss man darunter verstehen?

ST: Ein Mix aus vielem, würde ich sagen. Das ist zum einen Sprechgesang, der kein Rap ist, das sind Elektrobeats, die trotzdem immer noch poppig sind und Texte, die sexy und provozierend sind, ohne anzüglich und blöd zu sein. Urban Pop ist immer noch Pop, klar. Aber immer noch Pop-Musik, die klug genug, um in belanglose Gute-Laune-Musik zu kippen.

ZG: Und woher kommen deine Ideen für die Songs?

ST: Die Ideen für meine Songs finde ich eigentlich im Alltäglichen. Eigentlich fällt mir in jeder und zu jeder Situation aus meinen Alltag etwas ein, was ich später dann auch in meinen Songs verarbeite.

ZG: Mit dem Release von dem Video zu „Für Immer“ hast du ja etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen, auch, weil Fettes Brot da ja über Facebook gefeatured haben. Wie geht es weiter?

ST: Um richtig erfolgreich zu sein und eventuell dann auch später für ein Label interessant zu sein, musst du natürlich zunächst ein ordentliches Portfolio an Songs haben. Da bin ich gemeinsam mit meinem Produzenten Sven Waje (arbeitete unter anderem mit Fettes Brot und Nneka zusammen; Anm. d. Red) dran. Dazu kommen dann Möglichkeiten, die Songs auch live und vor einem größeren Publikum zu präsentieren. Für dieses Jahr haben wir uns daher vorgenommen, auch mehr live zu spielen. Zum Start haben wir nun den Song und das Video zu ‚Für Immer‘ gemacht. Es nützt halt nichts, wenn du zwei Songs aufgenommen hast und sagst: Guck mal, ich kann auch Musik machen. Dafür interessiert sich heute niemand mehr.

ZG: Wie kam es überhaupt dazu, gerade den Song zu nehmen? Ist ja immerhin ein Cover eines Songs einer momentan wieder sehr erfolgreichen deutschen Hip-Hop-Band?

ST: Das ist mehr oder weniger bei einem gemeinsamen Brainstorming mit Sven (Sven Waje; Anm. d. Red.) entstanden. Durch seinen Kontakt zu Fettes Brot ging es dann aber ganz schnell und die Jungs haben auch gleich signalisiert, dass sie das unterstützen.

ZG: Wie wichtig sind aus deiner Sicht die Kanäle der „sozialen Medien“?

ST: Sicherlich muss man heute auch als Künstlerin dort präsent sein, wo sich die Leute aufhalten. Daher habe ich aktuell auch keine richtige Homepage, sondern mache das alles via Facebook. Obwohl ich sonst nicht so der Typ bin, der ständig online ist. Aber im Falle unseres neuen Videos haben wir natürlich schon gemerkt, das wir sehr viele Menschen durch Facebook und Youtube erreichen konnte. Und allein daher lohnt es sich schon.

ZG: Wie siehst du persönlich deine Musik und die Texte?

ST: Ich möchte an den Spaß dahinter (der Texte; Anm. d. Red.) appellieren. Es geht in meiner Musik auch um Leichtigkeit und darum, Sachen nicht immer so ernst zu nehmen.

„Typen sollen sich nett angebaggert fühlen“

ZG: In Ordnung. Allerdings kommen Männer bei dir nicht immer so ganz gut weg, oder?

ST: Auch das ist nicht zu hart zu nehmen. Das ist manchmal ein bisschen frech, manchmal ein bisschen spitz, aber nie aggressiv oder bösartig gemeint. Deshalb glaube ich auch, dass es keine typischen Mädchen-Musik ist, dafür ist es dann immer noch zu nett gemeint. Das ist immer noch so charmant wie möglich gemeint. Und selbst wenn ich mal einen Spruch drücke, versuche ich damit niemanden klein zu machen. Ich finde es eher gut, wenn ein Typ erst mal kurz überlegt, sich dann aber nett angebaggert fühlt.

Stieftochter Urban Pop
Seit drei Jahren macht Stieftochter ihr Ding – Urban Pop Foto: PR

ZG: Und wenn du mit deiner vierköpfigen Live-Band auf der Bühne stehst, was kann man als Zuschauer erwarten und wer kommt zu deinen Konzerten?

ST: Das Publikum ist wirklich breit gefächert. Da sind 15-jährige Teenager – Jungs und Mädchen -, aber auch ältere und 50-jährige, die nicht in Begleitung ihrer Kinder mitgekommen sind. Als Besucher erwartet einen schon auch eine richtige Show. Natürlich auch mit entsprechendem Make-up und den passenden Outfits. Dazu haben die Songs mit der Band noch mal einen ganz andere Wucht. Das ist schon ein echtes Erlebnis.

ZG: Dazu passt meine nächste Frage. Wo kann man euch denn in diesem Jahr live erleben, sind Gigs oder sogar Auftritten bei Festivals geplant?

ST: Genau daran arbeite wir gerade und führen auch schon die ersten Gespräche. Leider kann ich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts definitiv sagen. Nur so viel: Wir sind bereit und haben Lust zu spielen.

ZG: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die kommenden Auftritte.

Das Interview führte Philipp für Zeitgeist247.de mit Stieftochter.

 

Offizielle Webpräsenz: facebook.com/stieftochtermusik

Die Single „Stieftochter“ (via iTunes) mit vier Tracks ist am 11. Oktober 2013 erschienen.

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