Interview: Stunnah über Drum & Bass-Rap

Endlich kann ich der Netzgemeinde ein neues Artist-Feature mit dem Künstler Stunnah präsentieren. Seit den Nullerjahren beschäftigt sich der Bremer intensiv mit Musik; seit 2010 tritt er mit seinem Mix aus Drum & Bass- und Dubstep-Subkultur mit viel Sub-Bass auf. Dazu kommen noch Mainstream-orientierte Einflüsse. Das Erstaunliche aber ist, Stunnah macht das fast ausnahmslos in Eigenregie. Nun will er – mit deutschen Texten – neu durchstarten. Und das ist mehr als nur ein spröder Nine-to-Five-Job, das ist harte Arbeit.

Im Interview spricht Stunnah über ein Leben im „musikalischen Untergrund“, seine künstlerischen Einflüsse und seinen Plan B, der eigentlich keiner ist.

 „Live ist für mich die Königsdisziplin“

Zeitgeist247.de: Ich muss ehrlich gestehen, dass ich dich bisher nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Bei meiner Recherche ist mir aber aufgefallen, dass du schon länger Musik machst. Wie kam es dazu?

Stunnah: Das mag daran liegen, dass ich in den vergangenen Jahren ausschließlich auf Drum & Bass-Veranstaltungen gespielt habe. Diese Veranstaltungen sind nicht im Mainstream-Fokus, es ist praktisch eine Subkultur. Ich war bisher nicht so darauf ausgerichtet, mit meiner Musik aus diesem Underground-Ding auszubrechen. Mit Shows kreuz und quer durch Deutschland, in der Schweiz, Spanien, Ungarn, England und den Niederlanden (in den vergangenen Jahren mit englischen Texten) war ich soweit ziemlich zufrieden.

ZG: Und was treibt dich vor allem heute an?

S: Live ist für mich die Königsdisziplin. Dann kam der Moment, wo ich dachte: Ich will jetzt meine eigenen „Werkstücke“ haben, eigene Tunes machen und den Sound, den ich seit Jahren feiere, auf ein neues Podium stellen. Dazu Videos drehen, meine Musik ins Radio bringen. Der Zeitpunkt scheint günstig. Sigma (Anm. d. Red.: britisches Produzenten-Duo) übernimmt mit „Nobody To Love“ die deutschen Charts. Auch Produzenten wie Netsky, Camo & Krooked, DJ Fresh und andere erhalten durch die EDM-Welle einen immer größeren Bekanntheitsgrad. Mich treibt also voran, das was ich seit Jahren tue, auf ein neues Publikum loszulassen.

ZG: Kurz und knapp: Wie würdest Du Deinen Musikstil beschreiben?

S: So richtig kurz & knapp? Kategorisieren macht oft vieles leichter, also nenne ich das jetzt einfach mal Drum & Bass-Rap, wozu ich aber auch Dubstep und Grime zähle, weil es in London denselben Ursprung hatte.

„Man muss auch gönnen können“

ZG: Deutschrap erlebt seit zwei Jahren einen enormen Aufstieg? Newcomer wie Casper, Cro und MC Fitti haben enormen Erfolg. Einige sprechen dagegen schon seit längerem von Sellout. Wie beurteilst du die Situation?

S: Ich fände es gut, wenn jeder sich um sein Ding kümmert und damit im Idealfall zufrieden ist. Wenn jemand tut, was er liebt, und damit Erfolg hat: Bless him! Gönnen können.

ZG: Generell spielen Neid und Missgunst im Musikgeschäft eine große Rolle. Schnell kommt es zum Beef, wenn auch nur in den sozialen Netzwerken. Wird da nicht manchmal schnell ein ganz großes Fass aufgemacht?

S: So etwas erlebt man doch eigentlich überall um sich herum. Schule, Arbeit, Straßenverkehr. Ich finde die Frage nach dem Niveau der Auseinandersetzung wichtig. Ein öffentlicher Streit diskreditiert meiner Meinung nach beide Streitparteien direkt. Allein deshalb, weil man einen ernsthaften Streit nicht vor den Augen anderer austrägt. Wenn das aber von Anfang an lanciert sein sollte, kann es ein guter Werbe-Stunt sein. Virales Potential hat Beef ja allemal.

ZG: Wie steht es mit deinen musikalischen Einflüssen? Wer zählt zu deinen Vorbildern, was sind deine Einflüsse?

S: Meine Einflüsse sind beinahe alle aus UK. Um ein paar Leute zu nennen, auf die ich aktuell schaue: Ghetts, Skibadee, Tinie Tempah, Eksman, Dot Rotten, Selfmade-Artists (Anm. d. Red.: nicht zu verwechseln mit dem Deutschrap-Label Selmade Records), ausnahmslos Künstler, die sich selbst aufgebaut haben. Dazu muss man sagen, dass sowohl die Club-Kultur, als auch die Musikindustrie auf der Insel für meinen Geschmack um Längen offener und dadurch interessanter ist. Die Texte dieser Künstler haben lyrische Tiefe, sind metrisch unglaublich komplex, aber trotzdem eingängig. Die Beats dazu innovativ, soundmäßig fett und interessant.

ZG: Mit welchem nationalen/internationalen Künstler würdest Du gerne einmal zusammenarbeiten?

S: Die oben genannten fände ich für mich aus künstlerischer Hinsicht stark. Davon abgesehen find ich Kollaborationen generell interessant. Ich würd per se mit jedem zusammenarbeiten, den ich künstlerisch feiere. Auch wenn deren bisher veröffentlichte Sachen nicht in erster Linie meinen Geschmack treffen. So ein künstlerischer Austausch erweitert doch immer auch den Horizont und im Idealfall bleibt auch zwischenmenschlich was hängen. Ich hätte Lust, ein Gedicht mit Julia Engelmann (Anm. d. Red.: es handelt sich um eine deutsche Schauspielerin und Poetry-Slammerin) zu schreiben und vorzutragen.

„Musik machen: Der beste Deal meines Lebens“

ZG: Was wünscht Du Dir für die Zukunft im Hinblick auf Deine Karriere als Musiker und hast du einen Plan B, falls es nicht für kommerziellen Erfolg reicht?

S: Im Hinblick auf die Karriere wünsch ich mir, meinen Traum weiterhin so leben zu können, wie bisher und ihn stetig auszubauen. Ich hab die Zeit meines Lebens, auch wenn es beinahe mehr Stress ist als vorher im Nine-to-Five-Modus. Dafür dreht sich alles um Dinge, die ich mit Leib und Seele genieße. Meinen Plan B habe ich sozusagen die letzten Jahre gehabt: gut verdient, finanzielle Rücklagen geschaffen, nebenbei Musik gemacht. Jetzt hab ich es eben umgekrempelt. Der Tausch hieß: Mein regelmäßiges Einkommen gegen die Freiheit, die ich haben möchte. Der beste Deal, den ich in meinem Leben gemacht habe. Insofern denke ich nun gerade nicht darüber nach – was wäre wenn? Und glücklicherweise stehen die Zeichen so, dass ich sagen kann: Weiter geht’s.

ZG: Okay, zum Abschluss noch fünf schnelle Entweder-oder-Fragen an Dich. Los geht’s!

Fleischliebhaber oder Veganer?

S: Schon Fleischliebhaber, aber ich esse vegetarisch.

ZG: Lipton Icetea oder Club Mate?

S: Lipton.

ZG: Neff oder Wemoto?

S: Wemoto.

ZG: Casio oder Nixon?

S: Nixon.

ZG: Whatsapp oder Threema?

S: Whatsapp.

ZG: Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg für die Zukunft.

Das Interview führte Philipp für Zeitgeist247.de mit Stunnah.

Offizielle Webseite: www.stunnah.de

Foto: Christian Hasselbusch (Im Netz unter www.c-hasselbusch.de zu finden.)

Euch gefällt, was Stunnah macht? Dann könnt ihr seine Musik hier bestellen (zu Amazon.de).

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