Oakfield Festival 2013: Fotos und Highlights im Nachbericht

Das “Oakfield Festival 2013” auf dem Gelände des alten Herwigshof bei Sittensen (Niedersachsen) ist vorbei. Wir waren bei diesem kleinen, aber feinen “Open Air”-Event vor Ort und haben nicht nur günstig Bier, Burger und weitere Getränke und Speisen verdrückt, sondern vor allem viele gute Bands gesehen. Eines schon vorab: den aus unserer Sicht schlechtesten Auftrifft legte keine Nachwuchsband, sondern eine gehypte Formation aus Hamburg hin. Aber dazu später mehr. Hier folgt nun unser Nachbericht mit allen Highlights.

Oakfield Festival 2013: Highlights

Denn das Line-up des “Oakfield Festival” konnte sich auch bei der vierten Auflage sehen lassen. Für schmale 15 Euro konnte man sich im Vorverkauf ein Ticket sichern, an der Abendkasse betrug der Preis dann 18 Euro, was auch noch absolut fair ist. Das Festival wird von vielen Freiwilligen und Musikliebhabern auf die Beine gestellt, mit Liebe zum Detail, aber auch professionell genug, um attraktive und aufstrebende Bands und Künstler an das Gelände auf dem Herwigshof zu locken. Ab 16 Uhr lockte zudem in diesem Jahr die “Freibier-Aktion“, die 50 Liter Ratsherrn unter allen Frühkommern offerierte.

Oakfield Festival 2013: Aller Anfang ist schwer

Den Anfang macht die Band “NOTYET!”, die bereits um 17:00 Uhr ran durfte und einen soliden Auftritt hinlegt. Problem; Aufgrund der “Freibier-Aktion” und der noch frühen Zeit, trauten sich noch nicht viele Besucher, das Tanzbein zu schwingen, sondern genossen das laue Sommerwetter lieber sitzend auf dem Rasen. Dennoch spulte die Band ihre Songs, die irgendwo zwischen Synthie- und Indie-Pop schwingen, solide ab und erntete am Ende auch den entsprechenden Applaus.

Oakfield Festival 2013 Herwigshof Backstage Bereich
Oakfield Festival 2013: Der Herwigshof diente als Backstage-Bereich Foto: S. Petit

Ab 17:50 Uhr durfte dann die erste lokale Formation, “Risk of Addiction”, auf die Bühne. Die Niedersachsen hatten den Vorteil, dass sie keine komplett Unbekannten sind und hatten daher bereits eine, wenn auch überschaubare, Fanschar vor der Heidebrink Bühne in Aktion. Die Band, die sich dem Melodic Punkrock verschrieben hat, spielte mit bester Laune ihre Songs und war sich nicht zu schade, in bester Fun-Punk-Marnier auch das Publikum aktiv mit einzubeziehen.

Dann folgte ein zehnminütiger Block ohne Musik, es galt die Gewinner des “Human Kicker Cup 2013” gebührend zu huldigen. Und wie es sich für eine Dorfveranstaltung gehört, gab es nicht nur Sekt und eine Gutschein, sondern für jedes der Siegerteams eine Flasche Korn und Cola zum Mischen. Nordish by nature, so zu sagen.

Oakfield Festival 2013: Sun is (still) shining

Kein Sturm, kein Regen in Sicht. Stattdessen bestieg “Blac Head Lion” die Herwig Bühne auf dem “Oakfield”. Solider Alternative-Rock mit modernem Anstrich und der nötigen Prise Melancholie. Jungs, die Sache habt ihr gut gemacht. Auch wenn immer noch nicht so richtig viele Leute zum Abtanzen und Abrocken zu motivieren waren. Wahrscheinlich lag es auch am guten Wetter, denn erst nach dem Auftritt, gegen 19:30 Uhr, begann es sich langsam merklich zu füllen.

Das könnte auch daran gelegen haben, dass ab 19:40 Uhr die Lokalhelden “Pete at the Starclub” zu hören waren. Die Band, die auch aus Gründungsmitgliedern und Unterstützern des “Oakfield Festival” besteht, zeigte deutlich, dass man keinen großen Plattenvertrag in der Tasche haben muss, um richtig gute Musik zu machen. Stimmlich und musikalisch absolut spitze präsentierte sich die Band, die Musik im Stile der frühen “Jimmy Eat World” machen. So zumindest unsere Meinung.

Dann enterten die Essener von “Goodbye Fairground” die Stage und lieferten ein ordentliches Punkrock-Brett ab. Die Band versteht ihr Handwerk. Kein Wunder, die Jungs leben tatsächlich davon und sind daher Tour erprobt und ebenso routiniert. Die Spielfreude war deutlich zu erkennen. Das Publikum dankte mit entsprechendem Applaus. Ein wenig fühlten wir uns beim Zuhören an “Silverstein” oder “The Used” (frühe Alben) erinnert. Und das soll unbedingt als Kompliment verstanden werden.

Von 21:20 bis 22:05 Uhr waren “The Working Class Bastards” (TWCB) aus Bremen an der Reihe, die uns an diesem Tag nun nicht wirklich vom Hocker gerissen haben. Gute Gelegenheit, um sich nach zwei, drei Pils etwas anderem wie beispielsweise einem erfrischenden Mai Tai Cocktail zuzuwenden. Sorry Jungs, bitte nicht persönlich nehmen.

Newcomer mit Biss und ein totaler Flopp

Jetzt wurde es langsam richtig lauschig, das Gelände war sehr gut gefüllt, die Bierbuden voll und die Stimmung ausgelassen. Besser hätten es sich “Fuck Art, Let’s Dance!” aus Hamburg nicht erwischen können. Gerade aus Österreich angereist, legten die drei Jungs gleich ordentlich los und kaum einer stand nun noch teilnahmslos da, sondern wippte wenigstens mit den Armen und Beinen im Takt mir. “Mathpop” nennt das Trio seine Musikrichtung, die uns an die frühen Alben von “Bloc Party”, “Fotos” oder aber andere Electro-Indie-Formationen erinnerte. Mächtig viel Lust auf den Auftritt hatten “FALD”, die auch ihre erste offizielle Single “The Conqueror” im Gepäcl hatten. Schon jetzt war uns klar: das war aus unserer Sicht die Neuentdeckung des Abends – tanzbar, irgendwie neu und schön wild. Unbedingt merken!

Nun kam es zum Auftritt von “Das Pack”. Vorab hatten wir schon viel über das Zwei-Mann-Projekt gehört – Gutes wie Schlechtes. Der Auftritt beim diesjährigen “Glockenschlag Festival” auf der Schröderstiftwiese in Hamburg soll schon mächtig in die Hose gegangen sein. Dennoch scheint die Band mit ihren Songs wie “Heavy Metal Kind” eine gewisse Zielgruppe anzusprechen. Und auch beim “Oakfield” waren Leute mit “Das Pack“-Merchandise zu sehen. Die Band selbst schreibt auf ihrer Homepage: “Wir sind eine grässliche Rockband bestehend aus zwei Menschen: Pensen & Timmey”. Das ist zwar sicherlich ironisch gemeint, trifft aber nicht unseren Nerv. Der Auftritt wirkt nach zwei Songs irgendwie albern. Man muss ständig an “Tenacious D.” denken, aber das war hier in Herwigshof schon ziemlich albern und nicht mehr lustig. Ist eben Geschmackssache, wie alles im Leben. Daher trauen wir uns zu sagen, dass (Achtung: Wortspiel!) es uns an diesem Abend nicht geschmeckt hat. Nachverkostung leider ausgeschlossen. Doch Rettung war in Sicht. Durch das Konzept mit den zwei Bühnen, auf denen immer im Wechsel gespielt und parallel aufgebaut wurde, kündigte sich bereits der Headliner des Abends an.

Endspurt: Müde Beine, aber genug Pils

Und das war die deutsche Independent-Gruppe “Blackmail“, die seit 2008 mit neuem Frontmann durch die Lande touren, mittlerweile auch mit dem Druck ständig nachrückender Bands zu kämpfen haben, aber die am Ende einen wirklich guten Einruck hinterlassen haben. Vor allem der Sound wurde zum Schluss noch mal richtig gut ausgesteuert, kein Unterschied zu anderen Festivals, die weitaus mehr Leute anziehen und auch weitaus mehr kosten. “Blackmail“-Frontmann Mathias Reetz bedankte sich stets artig beim applaudieren Publikum, das bis 0:20 Uhr dem Auftritt entgegengefiebert hatte und dies auch mit einer feucht-fröhlicher Ausgelassenheit gutierte. Auch die neuen Songs aus dem Album “II” mit Singles wie “Kiss The Sun” kamen gut an. Ein würdiger Auftritt für einen Headliner dieser Kategorie. Schön zu sehen, dass die Band auch vor kleinerer Kulisse solch eine Spielfreude an den Tag legte. Chapeau!

Danach kam gegen 1:30 Uhr als letzter Programmpunkt noch der Auftrifft von “Feine Sahne Fischfilet” (FSF), die direkt von ihrem Auftritt bei “Rock Harz” zum “Oakfield” nach Sittensen gefahren waren. Die Müdigkeit, die ein oder andere Gerstenkaltschale und unter Umständen auch ein Jägermeister ließen die Punker etwas angeschlagen wirken. Aber am Ende zogen sie ihren Auftritt in gewohnter Manier routiniert durch. Absolutes Highlight der Song “Komplett im Arsch”, eines der bekanntesten Stücke der Punk-Ska-Kombo. In den Pausen zwischen den einzelnen Stücken machte der bullige FSF-Frontmann Jan “Monchi” Gorkow auf die linkspolitische Haltung und das damit verbundene Engagement der Band aufmerksam. Gute Sache!

Ab 3:00 Uhr durfte dann der “Oakfield”-DJ das Aftershow-Programm einläuten, aber viele Besucher waren da längst glücklich und vor allem hundemüde – nach einem tollen Tag, mit gutem Wetter und astreiner Musik. Am Ende waren es zehn Bands, fast zehn Stunden Live-Musik und rund 1000 Besucher an diesem Tag. Weiter so Jungs und Mädels, wir kommen zum “Oakfield Festival 2014” wieder!

Offizielle Webseite: www.oakfieldfestival.de

Schreibe einen Kommentar