TV-Doku über Hamburger Rapper “Gzuz gesucht”

Gzuz gesucht TV Doku Interview 187 Strassenbande

Worum geht es eigentlich? Der NDR-Journalist Tim Kukral ist auf der Suche nach Gzuz, einem der Rapper der ziemlich erfolgreichen 187 Strassenbande. Doof nur, dass Gzuz generell nicht mit Journalisten spricht. Außer mit Niko von der Backspin. Aber Tim hat sich trotzdem auf die Suche nach dem Hamburger gemacht, um ein Interview zu bekommen. Ob es am Ende tatsächlich klappt, dass erfahrt ihr im folgenden Beitrag. “TV-Doku über Hamburger Rapper “Gzuz gesucht”” weiterlesen

Im Interview: Don Philippe (Freundeskreis)

Don Philippe Freundeskreis Interview Solo-Album

Nicht erst seit Cro und den Orsons ist Deutschrap aus Stuttgart eine feste Größe. Bereits in den 90er-Jahren orientierten sich Die Fantastischen Vier an ihren US-amerikanischen Vorbildern und brachten bis dahin unbekannte Beats und Reime in die Republik. Was aus heutiger Sicht vielleicht ein wenig unbedarft und teilweise lächerlich erscheint, war damals vollkommen neu und erstmal unbequem. Die Beats waren neu, die Texte zum Teil witzig. Manchmal aber auch anzüglich. Es war der Beginn einer neuen musikalischen Jugendbewegung.

Don Philippe im Interview

Es folgten die Massiven Töne, Afrob und natürlich Freundeskreis. Letztere brachten mit ihren teils sehr politischen Botschaften in ihren Texten eine neue Ernsthaftigkeit mit in den deutschen Hip-Hop. Konnten aber auch vor allem musikalisch überzeugen. Und hatten gleichzeitig in den Charts großen Erfolg. Neben dem charismatischen Frontmann Max Herre, gehörten Martin Weizer aka DJ Friction und Philippe Kayser aka Don Philippe zum Freundeskreis. Kayser hatte sowohl vor als auch nach seiner Freundeskreis-Zeit mit unterschiedlichen Projekten Erfolg.

Im Dezember veröffentlicht Kayser nun seine ersten beiden Solo-Alben “Between Now And Now” und “A Long And Silent Street“. Dabei handelt es sich um zwei reine Instrumental-Platten, inspiriert vom Jazz der 1950er- und späten 1970er-Jahre. Für Zeitgeist247.de hat sich ein gut gelaunter Don Philippe viel Zeit genommen, und ein paar Fragen am Telefon beantwortet.

Zeitgeist247: Nach so langer Zeit als Musiker und Produzent erscheint nun deine ersten beiden Solo-Alben. Wie kam es dazu?

Don Philippe: Ich habe eigentlich immer an Beats und Instrumentals gearbeitet. Auch schon in der Zeit als Mitglied von Freundeskreis Erfolg hatte. Damals, 1997 und 1998, sind zwei reine Beats-Platten erschienen, die wir mit Freundeskreis ausschließlich auf Vinyl veröffentlicht haben. Und auch nach der aktiven Zeit mit Max und Martin (Max Herre und Martin Welzer aka DJ Friction von Freundeskreis, Anm. d. Red.) hat mich das praktisch nie losgelassen. Natürlich gab es immer wieder Unterbrechungen. Auch weil ich zwischendurch mal etwas Anderes außer Hip-Hop machen wollte. In den letzten eineinhalb Jahren habe ich dann wieder vermehrt Beats gebaut und hatte am Ende jetzt so viel Material zusammen, dass es gleich zwei Platten geworden sind.

ZG: Normalerweise würde man von einem Künstler ja erwarten, dass er erst ein Album und mit etwas Abstand das nächste hinterher schiebt.Warum also gleich zwei Platten in so kurzem Abstand?

DP: Man muss auch bedenken, dass man auf einer Vinyl in der Regel nur 40 Minuten Laufzeit hat. Daher haben ich mich dazu entschlossen, die Songs auf zwei Platten zu verteilen. Darüber hinaus habe ich schon jetzt wieder so viel neues Material. Über eine Stunde an Instrumentals.

“Ich möchte so viel wie möglich rausbringen”

ZG: Man kann also davon ausgehen, dass du in naher Zukunft noch ein weiteres Album veröffentlichst?

DP: Es wäre auf jeden Fall in meinem Interesse, wenn das Label (Vinyl Digital, Anm. d. Red.) da mitspielt. Ansonsten würde ich auch andere Möglichkeiten ausloten. Ich möchte gerne so viel wie möglich rausbringen.

ZG: Im Vergleich zu deinen Solo-Releases, welchen Zweck habt ihr als Freundeskreis mit den Beats-Platten verfolgt?

DP: Das war ursprünglich so gedacht, dass HipHip-Leute und MCs die Möglichkeit hatten, auf diese Beats zu texten bzw. rappen. 1997 hatten ja auch noch nicht alle die Möglichkeit, einfach so an einer MPC eigene Beats zu produzieren.

ZG: Du lebst ja mittlerweile schon seit einigen Jahren in Berlin. Besteht noch Kontakt zu den Kollegen vom Freundeskreis bzw. der Kolchose Crew?

DP: Sicher habe ich mit Max und Martin weiterhin Kontakt, auch wenn unsere gemeinsamen Projekte derzeit ruhen. Max hat sich die neuen Sachen von mir auch schon angehört und fand das cool. Was Freundeskreis betrifft, haben wir es immer so gehandhabt, dass wir in der Zeit, wo wir nicht zu dritt spielen, auch nicht mit unseren Solo-Projekten unter dem Freundeskreis-Label auftreten.

ZG: Ist dir kommerzieller Erfolg wichtig oder ging es auch vor allem darum, dass die Platten überhaupt erscheinen?

DP: Mir geht es in erster Linie darum, dass meine Musik gehört wird. Sicherlich bin ich mir durchaus bewusst, dass die Platten kein Thema für die Charts sind, weil die Songs nicht das Hit-Potential klassischer Charts-Singles besitzen.

ZG: Und wie kam es überhaupt dazu, dass deine Solo-Alben jetzt bei Vinyl Digital erscheinen konnten?

DP: Das war kompletter Zufall. Die Leute von Vinyl Digital haben mich ursprünglich wegen eines Remixes von Masta Ace (US-amerikanischer Underground-Rapper, Anm. d. Red.) angefragt. Doch leider ist es dann doch nicht zu einer Veröffentlichung gekommen. Aber darüber kam letztendlich der Kontakt zustande. Ein paar Monate später haben sie mich dann noch mal wegen einer Beats-Platte angeschrieben; und bei mir passte es ganz gut, weil ich zu dieser Zeit bereits schon Material von mehr als einer Stunde produziert hatte.

ZG: Wie wichtig ist dir dabei, dass die Alben auch auf Vinyl erhältlich sind?

DP: Das ist mir sehr wichtig. Ich habe allerdings auch Verständnis dafür, dass manche Leute keinen Plattenspieler besitzen. Von daher erscheinen die Alben auch auf CD und in digitaler Form.

“Hip-Hop ist für mich die logische Fortsetzung von Jazz”

ZG: Die Stücke sind ja allesamt sehr jazzig, sind das auch deine musikalischen Wurzeln oder warum gerade diese Stilrichtung?

DP: Da bin ich aus meinem Elternhaus sehr geprägt worden. Vor allem durch meine Mutter, die sehr viele Jazz-Platten hatte und durch die ich mich schon als Kind durchgehört habe. Diese Faszination hat mich praktisch nie losgelassen. Auch weil ich Hip-Hop immer als logische Fortsetzung von Jazz verstanden habe. Auch weil beide Musikrichtungen sich immer im Spannungsfeld zwischen freier Improvisation und fester Strukturen bewegen. So bin ich damals dann auch beim HipHop gelandet.

ZG: Künstler wie Dexter, Suff Daddy, FloFilz und Co. machen ja seit einigen Jahren erfolgreiche Instrumental-Musik. Was hältst du von deren Stil und gibt es eventuell auf künstlerischer Ebene einen kollegialen Austausch?

DP: Ich habe mich natürlich auch in die neuen Instrumental-Platten reingehört und fühlte mich dabei an die Sachen erinnert, die wir damals schon während der Freundeskreis-Zeit gemacht haben. Und Leute wie Dexter, FloFilz und Wun Two, den ich im übrigen absolut genial finde, besinnen sich auch auf diese Art von Oldschool-Musik zurück. Jan (Jan Vetter aka Wun Two, Anm. d. Red.) habe ich auch persönlich kennen gelernt. Und bei den Vorbereitungen zu meinen beiden Alben habe ich mich natürlich auch von deren Stil inspirieren lassen. Das ist für mich ganz normal. Das habe ich früher auch schon immer so gemacht.

ZG: Aber sicherlich hat sich der Prozess dieses Mal, gegenüber deinen Instrumental-Sachen von 1997, anders angefühlt?

DP: Auf jeden Fall. Es ist ja nicht so gewesen, dass ich jetzt als unbekannter Newcomer rauskomme. Ich habe mit meinen diversen Projekten ja bereits etwas vorzuweisen. Und indirekt sind die Künstler, die heute Instrumental-Platten in diesem Bereich machen, auch durch meine früheren Sachen inspiriert worden. Die sind ja mit den Freundeskreis-Platten praktisch aufgewachsen. Und dadurch, dass ich gemerkt habe, dass es für diese Art von Musik einen Markt gibt, habe ich mich bei den Aufnahmen meiner beiden Solo-Alben auch wiederum davon inspirieren lassen.

“Wir haben uns als Gegenbewegung zu den Fantas verstanden”

ZG: Wer sind für dich die Pioniere im deutschen HipHop, wenn du an Stuttgart denkst?

DP: Das waren eigentlich die Fantastischen Vier, auch wenn die natürlich einen ganz anderen Ansatz gehabt haben. Die waren ja auch schon ein paar Jahre vor uns (Freundeskreis, Anm. d. Red.) da und haben auch andere Vorbilder gehabt. Wir haben uns daher auch immer ein bisschen als Gegenbewegung zu den Fantas (Die Fantastischen Vier, Anm. d. Red.) verstanden. Und auch wenn wir uns gegenseitig respektiert haben, wollten wir so etwas wie eine Gegenstimme für Stuttgart eröffnen.

ZG: Und wie denkst du über neuere Entwicklungen im HipHop, Trap zum Beispiel?

DP: Das finde das zum Teil schon ziemlich gut. Es ist nur so, dass mich das textlich nicht immer so erreicht. Die Künstler sind aber alle wirklich super jung. Ich bin halt etwas verwöhnt, wenn ich an die damaligen Texte von zum Beispiel Afrob, Max Herre und die Massiven Töne denke. Das ist heute nicht immer so deep. Auf der anderen Seite finde ich so Sachen von Künstlern wie Yung Hurn (Wiener Rapper, Anm. d. Red.) auch schon ziemlich geil. Auch was die Beats betrifft. Das ist halt noch komplett Underground.

ZG: Okay, letzte Frage. Wird man dich mit deinen neuen Songs auch auf Tour, Konzerten oder Festivals live sehen können? Und was sind die nächsten Projekte?

DP: Das hängt ein wenig davon ab, was nun nach dem Release der Alben passiert. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, die Songs auch mit anderen Musikern live zu performen, ist das sicherlich reizvoll. Es muss halt passen und am Ende auch bezahlbar sein.

ZG: Philippe, ich bedanken mich für deine Zeit und das Interview.

Das Interview mit Don Philippe habe ich per Telefon geführt. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Am 2. Dezember ist mit “Between Now And Now” das erste Solo-Album von Don Philippe erschienen. Am 23. Dezember folgt dann “A Long And Silent Street“. Die beiden Don Philippe Alben werden über Vinyl Digital veröffentlicht.

Bild: PR

Swiss im Interview über die “Missglückte Welt”

Swiss & Die Andern im Interview

Vor knapp zwei Wochen ist das neue Album von Swiss und seiner Band Die Andern erschienen. “Missglückte Welt” heißt das Werk und bildet ein tatsächlich buntes Potpurri an musikalischen Genres ab – von Punk bis Pop. In seinen Songs ist Swiss mal recht zornig und stinkt gegen all das an, was in unserer Gesellschaft so schief läuft. Dann wiederum wird es auch mal poppiger, und gerne auch mal etwas besinnlicher. Doch wer den Hamburger Musiker kennt, der weiß, dass er sich nicht vorschreiben lassen will, wie er zu klingen hat und welche Gefühle er zu Texten verarbeitet. Daher passt es auch, dass er für die neue Platte den bekannten “Rauchhaussong” der Berliner Polit-Rockband Ton Steine Scherben neu aufgenommen hat. Kurz vor dem Album-Release hatte er noch die Zeit, mir ein paar Fragen im Interview zu beantworten.

“Live läuft es extrem gut bei uns”

Zeitgeist247: In wenigen Tagen erscheint dein neues Album “Missglückte Welt”, das du wieder mit deiner Band “Die Andern” aufgenommen hast. Was hat sich seit dem Release von deinem ersten Album “Jeder Track ein Hit” am meisten verändert?

Swiss: Boah. Gute Frage. Irgendwie alles und irgendwie nichts. Ich glaube besonders im texterischen Bereich drehen sich meine Songs noch immer um die gleichen Motive. Auf der anderen Seite schreibe ich heute viel viel bessere Songs als damals, ich treffe öfters den Kern der Dinge, über die ich reden möchte. Musikalisch kann man das neue Ding natürlich null mit JTEI (“Jeder Track ein Hit”, Anm. d. Red.) vergleichen. Da liegen Welten zwischen. Unser Sound ist mittlerweile einzigartig in Deutschland. Wir bringen einen harten Crossover, den keine andere Band so roh und echt umgesetzt bekommt.

ZG247: Würdest du also sagen, dass du heute erfolgreicher bist oder erreichst du praktisch immer noch die selben Leute?

Swiss: Keine Ahnung. Ich bin auf jeden Fall der bessere Swiss im Vergleich zu damals. Aber ich muss zugeben, dass es besonders live schon extrem gut läuft bei uns.

“Solche Fans sollen unsere Platten nicht kaufen”

ZG247: Du positionierst dich, anders als eine ganze Reihe anderer Rapper hierzulande, eindeutig links und sprichst viele gesellschaftliche und politischen Themen, die im Argen liegen, offen an. Wie findest du es, dass sich viele andere Musiker und Künstler gar nicht oder nur zögerlich zur aktuellen Situation hier im Lande äußern?

Swiss: Schwach. Da haben Leute ganz eindeutig Angst Fans zu verlieren. Aber wir wollen solche Fans nicht haben. Die sollen unsere Platten nicht kaufen und nicht bei unseren Konzerten aufkreuzen.

ZG247: Kannst du denn wirklich steuern, wen du nicht auf deinen Konzerten haben möchtest?

Swiss: Klar. Ich finde wenn man sich so eindeutig wie wir positioniert, dann musst du echt extrem dumm sein, wenn du als Fascho trotzdem zu uns aufs Konzert kommst. Obwohl? Dummheit ist ja die herausragende Eigenschaft vieler rechtsextremer Idioten. Haha. Nee, keine Ahnung. Bei uns auf Konzerten triffst du nicht nur die hübschesten Mädchen auf der ganzen Welt, sondern auch die coolsten Typen! Da ist so viel Liebe und Energie im Raum, da passt kein schlechtes Mojo rein.

ZG247: “Vermisse dich” vom letzten Album war ein recht erfolgreicher Song, wenn man auf die Klickzahlen im Netz guckt. Dazu recht poppig inszeniert. Gibt es auf deinem neuen Album wieder ähnliche Songs?

Swiss: Ich will gar nicht zu viel verraten. Außer: Die “Missglückte Welt” ist großartig geworden. Sie wird mein Leben verändern, das der Band und von jedem, der sie hört!

ZG247: Und muss man so einen poppigen Song im Programm haben, damit man von den Radiostationen gespielt wird oder ist dir das egal?

Swiss: Ist mir total egal. Ich habe halt auch eine Veranlagung dazu, melancholische und nachdenkliche Songs zu schreiben. Zudem habe ich ein ganz gutes Gefühl für eingängige Melodien, versuche aber trotzdem, dass die nie cheesy werden. So entsteht halt auch mal ein “poppiger” Song, den ich aber nicht weniger feiere.

ZG247: Zum Schluss noch mal was ganz anderes: Du warst ja auch schon mal bei Inas Nacht als musikalischer Gast. War das ein Fehler?

“Ina ist ‘ne coole Socke!”

Swiss: Null. Ina ist ‘ne coole Socke, daher würde ich es sofort wieder tun.

ZG247: Okay, letzte Frage. Nach dem Release kommt die Tour. Was für Erwartungen hast du an die Live-Shows?

Swiss: Das wird wieder die totale Eskalation. Komm’ mal vorbei. Ich garantiere dir, sowas hast du noch nie gesehen!

ZG247: Ich danke dir für das Interview!

Das Interview mit Swiss habe ich per E-Mail geführt. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

 

Swiss & Die Andern Tour 2016

07.10. Frankfurt / Nachtleben
08.10. München / Backstage Club
14.10. Essen / Weststadthalle
15.10. Köln / Underground
20.10. Winterthur / Salzhaus
21.10. Lindau / Club Vaudeville
22.10. Stuttgart / Keller Klub
28.10. Berlin / Musik und Frieden
29.10. Leipzig /Moritzbastei
03.12. Hamburg / Kaiserkeller

Swiss & Die Andern Missglückte Welt Cover Tracklist
Swiss & Die Andern veröffentlichen im April ihr neues Album “Missglückte Welt”. Cover-Artwork und Tracklist sind bereits bekannt

Missglückte Welt Tracklist

1. Einz, Einz, Zwei
2. Die Nacht
3. Das schwarze Schaf
4. Ausgebombte Herzen
5. Insel im Paradies
6. Irgendwann
7. Perfekte Imperfektion
8. Der falsche Song
9. Rauchhaussong
10. Morgenland feat. Dag (SDP)
11. Gangster vom Asylheim
12. Pogo
13. Kopf der Getrud Bräuer feat. Shocky und der Hofkomponistin

Das neue Swiss + Die Andern Album “Missglückte Welt (LTD. Boxset)” ist am 1. April 2016 bei Missglückte Welt/Soulfood erschienen.

Foto-Credit: Christopher Wesser Sandbox Studio Photography

Buddy Buxbaum im (extrem verspäteten) Interview

Buddy Buxbaum Interview Deichkind Unkaputtbar

Besser spät als nie: Ehrlich gesagt hatte ich diesen Post schon längst abgeschrieben. Warum? Weil meine Anfrage für ein schriftliches Interview mit Buddy Buxbaum mittlerweile mehrere Monate zurückliegt. Damals hatte das ehemalige Deichkind-Mitglied sein Solo-Album “Unkaputtbar” veröffentlicht und war beim Bundesvision Song Contest von Stefan Raab für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern angetreten. Am Ende landete er mit seinem Song “Termin im Park” auf dem vorletzten Platz, vor Wunderkynd, der Band von Olli Banjo. Danach verabscheidete er erstmal in den wohlverdienten Urlaub. Ich erhielt nie wieder eine Rückmeldung auf meine Anfrage. Bis jetzt. Daher kann ich nun doch seit langer Zeit mal wieder eine frisches Interview präsentieren. Alle Fragen und Antworten zum verschollen geglaubten Interview mit Buddy Buxbaum.

“Die Leute, die ich erreichen wollte, habe ich erreicht”

Zeitgeist247: Moin Buddy, jetzt hat sich der Trubel um den Bundesvision Song Contest gelegt und du hast für Mecklenburg-Vorpommern den 15. Platz geholt. War das eigentlich eher stressig dort aufzutreten oder siehst du es sportlich und hast auch den Promo-Gedanken im Hinterkopf?

Buddy Buxbaum: Sowohl als auch: Leute unterschätzen meistens den Aufwand den so eine Show in Eigenregie mit sich bringt, aber unter’m Strich war es nach wie vor eine super Plattform um meine Musik in mehreren Ohren zu platzieren. Der Nachhall ist durchweg positiv, denn die Leute, die ich erreichen wollte, habe ich erreicht.

ZG247: Der Name Deichkind scheint noch immer eng mit dir als Künstler verbunden zu sein. Zumindest habe ich kaum ein Interview oder einen Blogartikel gelesen, in dem die Referenz nicht vorkommt. Ist natürlich auch schwer, wenn die Jungs nun – nach deinem Rücktritt – so durchstarten. Nervt dich das eigentlich noch, wenn man darauf angesprochen wird oder bist du damit cool?

Buddy: Wir sind auch zu meiner Zeit schon durchgestartet. Es ist nur konstant größer geworden über die sieben Jahre meiner Abwesenheit. Auf die Initialzündung bin ich nach wie vor stolz und bereue keinen Tag währenddessen, oder danach.

ZG247: Nun gehst du ja 2016 auf Headliner-Tour und hast dir die Ruffcats mit an Bord geholt. Ist man nicht ein wenig aufgeregt, wenn man weiß, dass man ganz alleine die ganzen Gigs bestreiten muss?

Buddy: Aufgeregt bin ich noch nicht, aber dass die Aufregung kurz davor kommt ist sicher, wie das Wetter in der Karibik. Alleine bin ich ja nicht, sondern sehr froh, dass ich die Ruffcats für mich gewinnen konnte. Wir sind musikalisch & gesanglich auf der selben Wellenlänge und die Neuzeit-Funk-Show auf die Beine zu stellen wird eine große Party.

ZG247: Wie kam es, dass du ausgerechnet mit den Ruffcats auf Tour gehst?

Buddy: Die Jungs sind mir über die Jahre in verschiedenen Kontexten aufgefallen und als ich sie auf ihrer eigenen Tour mit ihrem eigenen Instrumental-Material besucht habe, hatten sie mich nach dem Abend im Sack. Wir haben uns nach der Show kennengelernt, eine Anschnupper-Jam gehabt und es war klar, dass der Vibe und das Feuer stimmen und Zack haben wir ein Video zusammengedreht und nun geht es alsbald, wie möglich, auf Tour.

Anmerkung dazu: Eigentlich wollte Buddy schon im Februar 2016 mit den Ruffcats auf Tour gehen. Da der Ticketverkauf aber nur schleppend anlief, werden die Termine nun für dieses Jahr neu geplant. Ein ausführliches Statement dazu gibt es hier.

ZG247: Bist du mit dem Release von “Unkaputtbar” und den Reaktionen zufrieden, auch wenn das Album sicherlich kein typischer Chartstürmer ist?

“Mein Album bleibt unkaputtbar”

Buddy: Die Reaktionen auf mein neues Material sind sehr positiv. Ich bin schon davon ausgegangen, das ich als kleines Label im Alleingang längere Zeit brauchen werde um in dem Veröffentlichungswust aufzufallen. Aber was wir aus dem Stand heraus in dem letzten Jahr bewegt haben ist der Wahnsinn und macht mich Stolz. Mein Album bleibt unkaputtbar. Jetzt muss sich nur noch die Aufmerksamkeit einschleichen, die es verdient. Es ist ein wenig schade, dass im worldwide web konstant so viel los ist und die Aufmerksamkeitsspanne der Leute deswegen auch immer mehr limitiert ist. So entgeht vielen so viel Gutes.

ZG247: Worauf dürfen sich die Fans in den kommenden Monaten freuen? Wird es noch weitere Video-Auskopplungen geben und wird man dich eventuell auch als Feature-Gast auf anderen Releases hören können?

Buddy: Ich habe vieles in den letzten Wochen abgedreht und werde versuchen so viele Songs, wie möglich zu bebildern. Nach und nach werden die Clips ins Netz gestellt und wie immer auf Facebook und YouTube gebündelt. Ich bin weiterhin in Song-Produktionen hier und da eingebunden Man darf gespannt bleiben!

ZG247: Wenn du an Hamburg denkst, kannst du dir vorstellen, dass du mit Homebase in einer anderen Stadt eventuell anderen oder besseren Support zu “Unkaputtbar” bekommen hättest? Zahlreiche Musiker in Berlin “featuren” ja gefühlt alles und jeden, nur um die entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen.

“Hamburg bleibt meine Perle”

Buddy: Kann schon sein. Aber glücklicherweise richte ich mein Leben und Schaffen ja nicht nach ‘nem Promokanal oder Hype-Chancen aus. Hamburg bleibt meine Perle und der geerdet ehrliche Hype genau mein Ding.

ZG247: Wie muss man sich Buddy privat vorstellen, wenn es um Musik geht? Läuft da auch mal Mainstream-Musik?

Buddy: Wenn, dann auch relativ spezieller Pop, Rock oder Folk (Die Black Keys oder Avett Brothers & Alabama Shakes sind ja mittlerweile Grammy Gewinner, also auch Mainstream) aber unter’m Strich eher Nischenkracher aus dem Nu-Beat, Rhythm & Blues, Bluegrass oder Library Raregroove Bereich.

ZG247: Mit welcher Künstlerin oder welchem Künstler/welcher Band würdest du mal gerne etwas zusammen machen?

Buddy: Madlib, Hiatus Kaiyote, Tony Allen, oder Bilderbuch.

ZG247: In deinen Lieder und Videos kommst du immer als absolut entspannter Zeitgenosse rüber. Was muss passieren, damit du die Fassung verlierst? Sofern das überhaupt möglich ist.

Buddy: Ungerechtigkeit oder Respektlosigkeit machen mich sauer. Da wachsen mir meine polnischen Stierhörner und dann wird’s doll. In der weltweiten momentanen politischen Lage, samt allen rassistischen Facebook-Lemmingen und ätzend verhetzenden Jung- oder Alt-Nazi-Idioten, gibt es nun ja reichlich davon, aber ich trenne Musik und Politik. Das funktioniert und bereichert sich gegenseitig nur bedingt und sind zwei Paar Schuhe, wie ich finde. Ich konzentriere mich da lieber global auf wertfreies positives Entertainment zum Abtauchen in andere Welten. In der realen Welt habe ich mir grundsätzlich angewöhnt zu versuchen Problemen entspannt zu begegnen, bevor ich mich unnötig aufrege. Denn das ändert oder löst sie bekanntlich auch nicht schneller. Also bleibt mein Lebensmotto weiterhin: Go easy, go lucky.

ZG247: Dem kann ich nichts mehr hinzufügen. Buddy, ich bedanke mich für die Beantwortung meiner Fragen.

Das Interview mit Buddy Buxbaum habe ich per E-Mail geführt und kein Geld dafür genommen oder erhalten. Vielen Dank für’s Lesen!

Unkaputtbar: Tracklist

1. Gib Ihm
2. Hulahub
3. Medizin
4. Hamsterrad
5. Manjana
6. Termin Im Park
7. Roulette
8. Taka Tuka
9. Vodka Soda
10. Robodisco
11. Ey Hey
12. Power
13. Hitec Overload
14. Ballast
15. Solaris
16. Hans Dampf

Das Buddy Buxbaum Album “Unkaputtbar” ist am 14. August 2015 bei Holo Rec. erschienen.

Foto-Credit: Benne Ochs

Interview: Luis Baltes über regionalen Rap

Luis Baltes Interview Rap Riesling Sauer

“Ja, ich habe meine Popband grad gekickt. Ein Grund war, das Popbiz hat uns hart gefickt”, rappt Luis Baltes (Künstlername £¥I$) eindeutig nicht jugendfrei auf seinem Song “Alle pumpen Lu”. Warum ist der Mann so wütend, mag man sich vielleicht fragen. Doch Baltes weiß wovon er spricht. Er war rund acht Jahre lang der Frontmann der Popband Luis Laserpower, die er einst als Absolvent der Popakademie Baden-Württemberg selbst ins Leben gerufen hatte. Im Sommer 2014 war dann Schluss. Die Band löste sich auf. Seitdem ist Baltes als Solo-Artist unterwegs und hat mit “Riesling Sauer” im letzten Herbst seine erste EP veröffentlicht. Doch wie lebt es sich eigentlich, wenn man bisher daran gewöhnt war, stets mit mehreren Leuten gemeinsam Musik zu machen, zu Proben und Konzerte in ganz Deutschland zu spielen?

Im Interview spricht Luis Baltes über schwere Entscheidungen, mentale Freiheit und Pfalzrap.

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Interview: Stunnah über Drum & Bass-Rap

Stunnah Interview Drum & Bass Rap 2014

Endlich kann ich der Netzgemeinde ein neues Artist-Feature mit dem Künstler Stunnah präsentieren. Seit den Nullerjahren beschäftigt sich der Bremer intensiv mit Musik; seit 2010 tritt er mit seinem Mix aus Drum & Bass- und Dubstep-Subkultur mit viel Sub-Bass auf. Dazu kommen noch Mainstream-orientierte Einflüsse. Das Erstaunliche aber ist, Stunnah macht das fast ausnahmslos in Eigenregie. Nun will er – mit deutschen Texten – neu durchstarten. Und das ist mehr als nur ein spröder Nine-to-Five-Job, das ist harte Arbeit.

Im Interview spricht Stunnah über ein Leben im “musikalischen Untergrund”, seine künstlerischen Einflüsse und seinen Plan B, der eigentlich keiner ist.

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